Wie ich mir meine externe Promotion finanziert habe oder Zwei Jobs und das Wochenende

Wie ich mir meine externe Promotion finanziert habe oder Zwei Jobs und das Wochenende

Das Angebot zu einer Doktorarbeit in der Tasche, aber keinen Job.
Wie ich mir meine externe Promotion finanziert habe, liest du hier.

Meine Ausgangssituation

Zur Halbzeit des Tsunami Education Projects in Sri Lanka im Jahr 2006 fiel die Entscheidung, das Projekt als Teamdissertation wissenschaftlich aufzuarbeiten. Wir nahmen folglich das Angebot unseres Dozenten an, bei ihm extern zu promovieren. (Die Geschichte dazu hier.)

In der Vorbereitung beschäftigte mich als ein Punkt unter vielen natürlich auch die Frage „Wie wird die externe Promotion finanziert?“

Aus meiner Sicht realistisch betrachtet hatte ich nach der Heimkehr Anfang April 2007 drei Optionen:

  1. Arbeiten
  2. Stipendium
  3. Erspartes

Punkt 1 schien mir, die ich schon als Teenager und immer neben dem Studium gearbeitet hatte, die naheliegendste Lösung. Allerdings wollte ich nicht zu meiner letzten Arbeitsstelle zurück. Also recherchierte ich von Sri Lanka aus nach interessanten Stellen, die für mich neben meiner Promotion zur Finanzierung infrage kamen. (Da ich meine alten Bewerbungen noch archiviert habe, kann ich sagen: Viele habe ich nicht gefunden.)

Punkt 2 war für mich ein nice-to-have und eine Stipendienbewerbung war auf jeden Fall einen Versuch wert. (Hätte mir im Vorfeld mal jemand gesagt, dass ich gar keine Chance auf ein Stipendium hatte, hätte ich meine Zeit und Energie lieber in andere Dinge gesteckt.)

Punkt 3 kam für mich nur als absolute Ausnahme in Betracht. Punkt.

Mein Plan

Da eine Stipendienbewerbung einen mitunter monatelangen Vorlauf benötigt (Stipendium beziehungsweise Stiftung finden, Gutachten einholen, Unterlagen zusammenstellen, bewerben, Auswahlgespräch, Zu- oder Absage), lag mein Fokus auf einer neuen Arbeitsstelle.

Die fand ich tatsächlich schneller als gedacht, nämlich im Studierendenservice der Ruhr-Universität Bochum. Bereits im Mai fing ich an, Studierende und Angehöriger der Ruhr-Universität an der ersten Anlaufstelle auf dem Campus, dem Infopoint, zu allen möglichen Fragen rund um die Uni zu beraten oder sie weiter zu verweisen. Allerdings handelte es sich um eine Stelle mit geringer Stundenanzahl, die leider nicht ausreichte, um mir meine Lebenskosten auf Dauer zu finanzieren. Aber der Anfang war gemacht.

Unibruecke KM 2

© RUB, Marquard

Mittlerweile hatten sich nämlich auch zwei, drei mögliche Stipendien aufgetan. Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich natürlich, eines zu ergattern. Denn die Kombination mit der Arbeitsstelle wäre perfekt gewesen, um mich den Großteil der Zeit auf meine Doktorarbeit fokussieren zu können.

Ich erinnere mich nicht mehr an die Stiftungen, außer an die Research School, der damals im Aufbau befindlichen Anlaufstelle für Doktoranden an der Ruhr-Universität Bochum. Und ich erinnere mich daran, dass ich überall abgelehnt wurde. Unter anderem auch nach einem Assessment Center.

Das frustrierte mich mit Blick auf die Finanzen.

Noch frustrierender fand ich allerdings ein vertrauliches Unter-vier-Augen-Gespräch, in dem mir ganz deutlich gesagt wurde, warum ich bei meinen Stipendienbewerbungen keine Chance hatte: „Frau Laskowski, ihre Diplomnote von 1,9 reicht nicht aus. Da können Sie noch so viel ehrenamtliches Engagement, Praktika und so weiter mitbringen. Am Ende zählen die harten Vergleichsfakten.“

Autsch.

Als aus allen Richtungen die Absagen eintrudelten, überlegte ich dann tatsächlich kurz, ob es nicht besser wäre, die Promotion an den Nagel zu hängen. Denn für mich war klar, dass ich mir entweder eine andere oder noch eine zweite Arbeitsstelle suchen musste.

Es schien mir ein echt ambitioniertes Vorhaben, meine Doktorarbeit neben einer Vollzeit oder zwei Teilzeitstellen zu bestreiten.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir zu dem Zeitpunkt einerseits der selbstauferlegte finanzielle Druck eine Spur zu hoch war, andererseits wollte ich mit der Doktorarbeit starten und nicht einen Großteil meiner Zeit in eine Stellensuche und einen Bewerbungsprozess stecken.

Was hat mich letztendlich zum Weitermachen angetrieben?
Mein eigener Wille, Kampfgeist beziehungsweise Ehrgeiz.

Ich wollte das Tsunami Education Project, in das ich so viel Herzblut, Wissen und Nerven investiert hatte, wissenschaftlich aufarbeiten. Für mich stand außer Frage, Thorsten mit der zugesagten Teamdissertation hängen zu lassen. Auch zweifelte ich keine Sekunde daran, dass wir es als Team und mit unserer sehr guten Planung wie immer schaffen würden.

Aufgeben war und ist für mich nie eine Option gewesen – irgendwie gibt es immer einen Weg oder eine Möglichkeit.

Und während ich noch grübelte, kam die Möglichkeit schneller als gedacht.

Bei einem zufälligen Gespräch mit einer ehemaligen Schulkollegin vermittelte sie mir quasi beiläufig eine weitere Teilzeitstelle in einem Auftragsforschungsinstitut.

Meine Realität

Meine finanziellen Mittel hatten sich folglich wie gewünscht erhöht.
Dafür schrumpfte die mir zur Verfügung stehende Zeit, an der Doktorarbeit zu schreiben.

Ich war aber dennoch zuversichtlich, dass es funktionieren würde.

Schließlich hatten wir einen gut ausgeklügelten Zeitplan für die Bearbeitung unserer Teamdissertation. Und bei der Arbeitsteilung einigten wir uns darauf, dass ich zum Beispiel nicht unbedingt an jedem noch ausstehenden Experteninterview-Termin teilnehmen musste. Und Thorsten übernahm zudem die zeitaufwendige Auswertung der bisherigen Interviews, während ich mich um die statistische Auswertung unserer Fragebögen kümmerte.

Zeitplan Doktorarbeit


Trotzdem kam ich im Alltag bald an meine Belastbarkeitsgrenze, denn rückblickend war allein die Logistik der zwei Arbeitsstellen eine Herausforderung für sich:

Ich pendelte nicht nur zwischen Bochum und Essen hin und her, sondern musste mich auch gedanklich auf komplett unterschiedliche Themen einstellen. In der Regel arbeitete ich zu unterschiedlichen Tagen an den Standorten, doch ab und an kam es vor, dass mir der Dienstplan keine Wahl lies und ich zum Beispiel morgens in Essen arbeitete und am Nachmittag in Bochum oder umgekehrt.

Nach getaner Arbeit sah ich mich nicht mehr in der Lage, etwas Sinnvolles aufs Papier zu bringen, geschweige denn, mich überhaupt zu konzentrieren. Vom Typ her bin nämlich morgens am aktivsten, spätestens ab 17 Uhr geht es bei mir bergab.

Dumm nur, dass ich oft zu der Zeit erst Feierabend hatte. Ich habe es versucht, es hat nicht funktioniert. Nach kurzer Zeit gab ich also auf, mich abends noch an den Schreibtisch zu setzen.

Meine Lösung

Ich überlegte mir, wie ich alles zeitlich bestmöglich unter einen Hut bekommen konnte und wägte meine Möglichkeiten sorgfältig ab.

Dann änderte ich meine Strategie:

Ich habe ab dem Zeitpunkt die Wochenenden genutzt und ausschließlich am Samstag und Sonntag (sowie an Feiertagen) an den Kapiteln der Doktorarbeit geschrieben. Weniger konzentrationslastige Tätigkeiten wie Literatur sortieren oder Organisatorisches wie Besprechungen mit Thorsten hingegen erledigte ich weiterhin wochentags.

Freie Abende unter der Woche reservierte ich mir dann für meine Erholung und den sportlichen Ausgleich.

Der konsequenteste Einschnitt war sicherlich mein selbstauferlegtes Feierverbot.

Am Wochenende bis in die Puppen feiern und dann ausschlafen war nicht mehr – wäre ich erst mittags aufgestanden, wäre ja mein halber produktiver Tag schon vorbeigewesen.

Gerade das Feierverbot klingt für mich im Rückblick sehr hart (was es auch war), dennoch habe ich es tatsächlich bis auf die Geburtstagsfeier einer Freundin diszipliniert durchgezogen. (Und an dem Abend einen Rüffel von einem Freund kassiert, warum ich denn auf der Party und nicht am Schreibtisch bin?)

Externe Promotion finanziert

Mein Fazit

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es bei einer berufsbegleitenden Promotion ohne ein gewisses Maß an Selbstdisziplin nicht geht.

Die zur Verfügung stehende Zeit ist durch den Beruf einfach begrenzt, die Energie nach einem anstrengenden Arbeistatg im Keller. Da Bedarf es einiges an Motivation und Biss, um die Doktorarbeit fertigzustellen.

Daher beleuchte ich heute in der Zusammenarbeit mit meinen Kunden immer sehr genau die Punkte Motivation, zeitliche Verfügbarkeit und Planung.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mein eigener Anspruch an mich und die Doktorarbeit sehr hoch waren. Ich wollte es unbedingt packen. Und ich wusste, dass ich das schaffe.

Der Preis dafür war im Rückblick dennoch hoch. Ohne wirkliche Pause war ich zum Ende der recht schnellen Promotionszeit von nur zwei Jahren mental angeschlagen.

Heute würde ich es entspannter und etwas langsamer angehen. Den Zeitrahmen etwas weiter fassen. Auch mal eine längere Pause oder Urlaub einschieben und nicht so durchpowern.

Trotzdem war es eine tolle Zeit, die ich auf gar keinen Fall missen möchte!

Herzliche Grüße
Sandra


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