Malta oder mein erstes Co-working und Co-living

Malta oder mein erstes Co-working und Co-living

Ich bin Geografin und hoch reisefreudig.

Mein Traum war es immer, in der Sonne zu überwintern und nicht im ollen grauen Deutschland.

Seit ich nur noch online arbeite, bin ich meinem Traum ein Stück nähergekommen – und das nicht nur im Winter.

Lies hier über meine erste Co-working beziehungsweise Co-living-Erfahrung auf Malta, meine Begeisterung für das öffentliche Verkehrssystem der Insel und meine Ausflüge sowie Empfehlungen. Alles gepaart mit reichlich Fotos.

Wie kam ich auf Co-working und Co-living?

Die Begriffe Co-working und Co-living (ich kürze an dieser Stelle mal liebevoll auf Cowoli ab) im Ausland sind mir schon lange ein Begriff.

Mit anderen Menschen fernab der Heimat zusammenzuleben, sich gemeinsame Arbeitsräume zu teilen und sich auszutauschen, fand ich eine spannende Idee.

Für mich war das Cowoli im Ausland aber nicht greifbar, da ich vor COVID-19

  • für meine Lehraufträge und Workshops präsent an die verschiedenen Hochschulen fahren musste
  • eine Teilzeitstelle ohne Homeoffice hatte
  • mir nicht einen Monat oder länger Urlaub nehmen beziehungsweise wegfahren konnte

Dann wirbelte ab März 2020 wie bei so vielen anderen auch ein Virus mein berufliches Leben komplett durcheinander.

Die Hochschulen stellten von jetzt auf gleich auf Online-Vorlesungen und E-Learning um. Meine Teilzeitstelle im Musikbusiness wurde mir gekündigt.

Seit anderthalb Jahren arbeite ich nun ausschließlich online und beschloss im Herbst 2020, dass dies auch so bleiben soll. Und seitdem wächst mein Wunsch, meine Arbeit generell ortsunabhängiger zu gestalten und mit dem Reisen zu verbinden.

Da traf es sich richtig gut, dass eine Kollegin schon länger begeisterte Cowoli-Praktizierende ist. Nach einem längeren Austausch mit ihr stand für mich fest: „Das probiere ich auch demnächst.“

Aus „demnächst“ wurde dann schneller als gedacht „ganz bald“.

Zum einen wollte ich nach fast anderthalb Jahren endlich wieder verreisen. Ein klassischer Erholungsurlaub war mir jedoch nicht genug – ich wollte endlich wieder unter gleichgesinnte Menschen und mich nicht nur über Zoomcalls über berufliche Themen austauschen.

Zum anderen sollte es am besten sofort sein, da ich mögliche Reiseeinschränkungen ab dem Herbst nicht einschätzen konnte und umgehen wollte.

So machte ich mich Anfang Juli auf die Suche nach einem für mich geeigneten Cowoli für den Monat August und wurde schnell fündig.

Malta Evolve Coliving

Warum gerade Malta?

„Why did you choose Malta?“, „Why did you come to Malta?“ oder einfach „Why Malta?“ war daheim und auf Malta die mit Abstand häufigste Frage an mich.

Die Antwort lässt sich ganz leicht auf drei Gründe runterbrechen:

  1. Ich war noch nie auf Malta
  2. Es war ein Platz im Cowoli frei
  3. Die Einreiseregularien für Geimpfte waren einfach

Einer meiner Reisegrundsätze lautet „Ich reise möglichst dahin, wo ich noch nie war“.

Da ich vorher noch nie auf Malta war, wäre das allein Grund genug gewesen. Alternativ liebäugelte ich aber auch mit Teneriffa und Thailand (wobei ich Thailand schon mal bereist habe, mir gefällt das Cowoli dort aber so gut).

Allerdings war auf Teneriffa zu meinem Wunschdatum kein Platz mehr frei und Thailand hatte zu dem Zeitpunkt sehr strikte Quarantäneauflagen, sodass mir die Entscheidung für Malta abgenommen wurde.

Flüge nach Malta waren auch gut zu bekommen, also warum nicht?

Malta Evolve Coliving1

Zwischen Arbeit und Pool

Meine Wahl fiel auf das Evolve Coliving in San Gwann.

Das Haus habe ich über die Seite von CoCoHub gefunden, einer Plattform für die Cowoli-Community weltweit.

Das große Haus versprach auf den ersten Blick viel Platz zum Arbeiten, eine gute und stabile Internetverbindung, ein eigenes Zimmer, einen Pool sowie rund ein Dutzend Mitbewohner. Auf den zweiten Blick hat es das auch gehalten.

Direkt beim Ankommen verliebte ich mich in die Hängematte am Pool.

Pool Coliving


Entgegen vielen Annahmen habe ich auf Malta jedoch keinen Urlaub verbracht.

Okay, die ersten zwei Tage habe ich komplett am Pool verbummelt, aber danach ging es wieder an den Laptop.

Schon in der ersten Woche stellte ich fest, dass sich mein Arbeitsalltag gar nicht so sehr von dem in Deutschland unterschied. Ich stand morgens früh auf, arbeitete, machte eine Mittagspause, arbeitete weiter und klappte irgendwann abends den Laptop zu.

Was sich allerdings erheblich von meinem Arbeitsalltag daheim in Bochum unterschied, waren

  • rund 20 °C on top (in der ersten Augustwoche hatten wir fast 40 °C auf Malta)
  • keine Ablenkungen durch heimische Routinen wie putzen, aufräumen, fernsehen oder Sport
  • Kommunikation ausschließlich auf Englisch
Malta am Schreibtisch


Fernab vom gewohnten heimischen Schreibtisch stellte sich außerdem ein Gefühl von Leichtigkeit und Beschwingtheit ein. Der große, offene Arbeitsbereich trug erheblich zu diesem Gefühl bei.

Wurde mir trotzdem mal der Kopf schwer oder die Temperaturen zu heiß, ging ich zur Abkühlung eine Runde in den Pool schwimmen und arbeitete danach weiter.

Meine Mitbewohner – übrigens aus 10 verschiedenen Nationen – waren nicht so hitzeresistent. Sie zogen zum Großteil die Arbeit in ihren Zimmern bei laufender Klimaanlage vor oder arbeiteten ganz außer Haus. So hatte ich viel Ruhe im Arbeitsbereich.

Malta Schreibtisch

Sightseeing – viel zu sehen auf kleiner Fläche

Malta hat geschichtlich und an UNESCO-Welterbestätten so einiges zu bieten. Natürlich habe ich mir auch die Zeit genommen, meine Umgebung und die Insel zu erkunden.

Da auf Malta alles so dicht beisammen ist, waren viele meiner Ziele entweder fußläufig oder in einer guten halben Stunde mit dem öffentlichen Bus zu erreichen.

Entgegen allen Unkenrufen zu Unpünktlichkeit fand ich schnell Gefallen an dem öffentlichen Verkehrsmittel. Als ich das Bussystem verstanden hatte, war alles ganz easy. Eine Hilfe war mir dabei die Website beziehungsweise die App des Busunternehmens.

Grandios finde ich, dass man sich im Bereich Valletta bis Pembroke aktuell in einem Testversuch über die App einen „bus on demand“ bestellen kann: Der Mini-Bus holt dich wie ein Taxi an dem gewünschten Ort ab und bringt dich an dein Wunschziel. Das alles schnell, klimatisiert und für nur 2 Euro. Unschlagbar!

Wenn du dich wie ich für Museen und historische Stätten interessierst, dann empfehle ich dir den Heritage Malta Multisite Pass. Mit ihm hast du 30 Tage lang Zugang zu 25 Stätten und Museen sowie dem National Aquarium und dem Citadel Visitor Centre.

Folgende Orte und Museen habe ich ein oder mehrmals besucht:

Valletta

  • Geführter Sightseeing-Rundgang* mit einer super Stadtführerin
  • National Museum of Archaeology
  • Palace Armoury
  • Fort St. Elmo & National War Museum
Valletta Lower Barrakka Gardens


Mdina

  • St. Paul’s Catacombs
  • Domvs Romana
  • National Museum of Natural History
  • Fantastisches Eis gibt es bei Fior de Latte
  • Mega-leckeren Kuchen (und einen super Ausblick) bekommst du im Fontanella Tea Garden. Aber Achtung: Je nach Tageszeit musst du bei einem Spontanbesuch mit langen Wartezeiten für einen Tisch rechnen.
Mdina Gasse


Gozo

  • Ganztägige, geführte Sightseeing-Tour* mit Abholung, Fährüberfahrten, Besichtigung der Basilika Ta' Pinu, Besichtigung eines Handwerks- und Delikatessenladens, Bootsfahrt an der Küste von San Lawrenz sowie Mittagessen, Besuch der Zitadelle und freie Zeit in Victoria.
Gozo


Von Sliema bis Spinola Bay/St. Julian‘s

  • Gemütlicher Spaziergang entlang der Küste
  • Tipp: Setz dich in eines der zahlreichen Cafés oder Restaurants, bestell dir ein Getränk und genieße einfach den Ausblick über die jeweilige Bucht.
  • Meine Lieblingsbar in Spinola Bay ist die Me Lounge
Malta Spinola Bay


Bugibba

  • Herrlicher Sonnenuntergang und gute Cocktails/Essen im Nine Lives direkt am Strand
  • National Aquarium
Malta National Aquarium


San Gwann

  • Meine Nachbarschaft zum Einkauf des täglichen Bedarfs oder abends mal ein Bier trinken
  • Fantastisches Eis gibt es im Cafe da Roberto

Fazit

Das war definitiv nicht mein letztes Cowoli!

Wie vermutet trifft es bei mir einen Nerv.

Unabhängigkeit, Reisen, Freude am Austausch und Arbeiten in der Sonne – ich habe Malta mit einem Gefühl von wohliger Zufriedenheit verlassen, das ich gerne öfter haben möchte.

Ein Monat ist mir aber tatsächlich zu kurz.

Bis ich richtig im Cowoli und der Insel angekommen war, bis ich mich gut auskannte und Lust auf mehr Eintauchen bekam, da war der Monat bereits rum.

Auch wünsche ich mir beim nächsten Cowoli nicht nur gemeinsame Freizeitaktivitäten, sondern auch einen aktiveren Austausch rund um die Arbeit. Natürlich weiß ich, dass es unterschiedliche Cowoli-Modelle gibt, aber hier kam mir der Businessaspekt zu kurz.

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal, obwohl ich noch gar nicht weiß, wohin es mich verschlagen wird.

Aktuell liebäugle ich mit Bali, das mich ja schon zum Jahresanfang so getriggert hat.

Ich lasse es euch wissen & bis dahin herzliche Grüße
Sandra

Malta Eis


Kribbelt es dir bei dem Gedanken an ein Co-working und Co-living auf Malta in den Fingern?

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Dann schau dir die Seite von CoCoHub mal genauer an! Hier findest du aktuell 59 Cowolis weltweit und kannst dich mit Gleichgesinnten austauschen.


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© 2021 Dr. Sandra Laskowski