Der Doktortitel: Was bringt er dir wirklich?

Der Doktortitel: Was bringt er dir wirklich?

Aus eigener zwölfjähriger Doktortitel-Trageerfahrung kann ich augenzwinkernd sagen: Auf jeden Fall viel Verwechslungspotenzial.

Der Doktortitel

Dr. med., Dr. rer. nat., Dr. phil.

Das sind die bekanntesten Hauptgrade unter den Doktortiteln aus der Medizin, den Naturwissenschaften und den klassischen philosophischen Fächern.

Fakt ist: Es gibt jede Menge unterschiedlicher Doktortitel, auch innerhalb einer Fachrichtung.

Sagen dir Dr. diac., Dr. iur. et rer. pol. oder Dr. sc. mus. etwas?

Manchmal lässt sich aus dem Titel direkt die Fachrichtung ableiten, oftmals aber auch nicht. Außerdem gibt es einige Doktortitel ohne fachlichen Bezug (und ohne geschriebene Dissertation), wie zum Beispiel den durch Hochschulen verliehenen Ehrendoktortitel Dr. h. c. für herausragende Verdienste.

(Eine knackige Zusammenfassung wer, wofür und warum man ihn trägt, findest du hier.)

Fakt ist:
Zumindest theoretisch kannst du in jeder beliebigen Fachrichtung promoviert werden und zum Beispiel einen der oben genannten Titel tragen.

Gesellschaftlich wird allerdings – so behaupte ich aus meiner eigenen Erfahrung – oft nur der Dr. med. wahrgenommen.

Der Duden bestätigt das indirekt:

Doktor, der

1. a) höchster akademischer Grad, der durch eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit, die Dissertation, und eine bestandene mündliche Prüfung, das Rigorosum, erworben wird

b) Träger eines Doktortitels (Abkürzung Dr., Plural: Dres. = doctores)

2. Arzt


Arzt, na bitte. 

Dem hinzuzufügen wäre noch, dass nicht jede/r praktizierende Arzt oder Ärztin promoviert ist. Folglich ist die Anrede „Herr/Frau Doktor Müller“ im Sinne von „Herr/Frau Dr. med. Müller“ falsch, aber gesellschaftlich etabliert.

Mein Doktortitel

Ich bin seit Juli 2009 in Geografie promoviert und trage offiziell den Titel Dr. phil.

Die erste Frage aus meinem Freundeskreis war „Warum nicht Dr. rer. nat.?“
(Mit einem leicht süffisanten Unterton, denn die unterschiedlichen Doktortitel haben unter den Promovierten eine ganz eigene Gewichtung. Dazu aber vielleicht ein anderes Mal mehr.)

Berechtigte Frage, schließlich ist die Fakultät für Geowissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum den Naturwissenschaften zugeordnet. Die Antwort ist recht einfach und in der damals gültigen Promotionsordnung zu finden (die aktuelle Fassung lässt etwas mehr Spielraum):

§ 1 Doktorgrad

(1) Die Fakultät für Geowissenschaften verleiht den Grad eines Doktors der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) aufgrund eines ordentlichen Promotionsverfahrens mit Dissertationen in den Fächern Geologie, Mineralogie, Geophysik sowie im Fach Geographie für Dissertationen aus den Teilbereichen der Physischen Geographie.

(2) Die Fakultät für Geowissenschaften verleiht den Grad eines Doktors der Philosophie (Dr. phil.) aufgrund eines ordentlichen Promotionsverfahrens mit Dissertation im Fach Geographie aus den Teilbereichen der Kulturgeographie und Didaktik der Geographie.

(3) Die Fakultät für Geowissenschaften verleiht den Grad eines Doktors der Naturwissenschaften ehrenhalber (Dr. rer. nat. h. c.) oder den Grad eines Doktors der Philosophie ehrenhalber (Dr. phil. h. c.) aufgrund eines Beschlusses der Fakultät.


Wie du siehst, hatte ich bei meiner Doktorarbeit mit dem Titel Den Tsunami verstehen - Die Bedeutung geographischer Bildungsarbeit als Teil katastrophenpräventiver Maßnahmen am Beispiel des Tsunami Education Project (TEP) in Sri Lanka nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean keine andere Wahl, als den Dr. phil. verliehen zu bekommen.

Doktorurkunde

Meine skurrilen Erfahrungen als Dr. phil.

Nach der Verleihung habe ich mir um meinen Doktortitel überhaupt keine weiteren Gedanken gemacht, bis in alltäglichen Situationen andere Menschen darauf reagier(t)en:

  • Wenn ich einen Termin in einer neuen Arztpraxis habe, werde ich regelmäßig von dem behandelnden Arzt mit „Na, Frau Kollegin, was kann ich für Sie tun?“ begrüßt.

  • Muss ich irgendwo meinen Ausweis vorzeigen (ich habe den Doktortitel eintragen lassen), folgt mindestens eine hochgezogene Augenbraue oder ein Raunen, meist zusammen mit einem Kommentar zu irgendeinem medizinischen Sachverhalt. Unvergessen der Postbeamte, der mich unverhohlen fragte: „Sagen Sie mal, was machen Sie denn eigentlich bei stinkenden Patienten?“

  • "Wann stellst du mir endlich ein Rezept aus?" Das war die Frage eines Onkels, als vor langer Zeit bei einer Geburtstagsfeier die Sprache auf das Ende meiner Promotion kam. Ich war so perplex, ich konnte gar nix antworten. Das übernahm jemand anders: "Aber die Sandra ist doch kein Dr. med., sondern Geografin." Keine Ahnung, wieso mein Onkel den Bezug zur Medizin herstellte.

  • Mein damaliger Freund bestand darauf, dass ich den Doktor auf unsere Türklingel schreibe. Seine Begründung: „Halt damit nicht hinterm Berg, du hast so hart dafür gearbeitet.“ (Da hatte er recht.)

  • Als ich vor zwei Jahren umgezogen bin, fragte mich mein neuer Vermieter, ob ich den Doktor auf dem Klingelschild stehen haben möchte? Ich habe es ihm freigestellt, er hat ihn draufgeschrieben.

Die Liste könnte ich endlos weiterschreiben.

Doktortitel Erfahrungen


Interessant für meine eigene Reflexion ist, dass ich nie großartig über meinen Doktortitel nachdenke, bis ihn mal wieder jemand erwähnt.

Für mich war er immer das Ergebnis der wissenschaftlichen Aufarbeitung meines Bildungsprojektes Tsunami Education Project in Sri Lanka. In dem Projekt steckte so viel Datenmaterial und noch viel mehr Herzblut, dass ich gar nicht anders konnte, als zu promovieren.

Denn eigentlich wollte ich nie promovieren, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. (Warum doch, liest du hier). Ohne das Tsunami Education Project wäre ich also nicht promoviert.

Also, was bringt dir der Doktortitel?

Tja, was denn nun?

Außer Verwechslungen, solange du nicht tatsächlich in Medizin promovieren willst?
Außer vielleicht etwas mehr Geld in der Tasche aufgrund des höheren Abschlusses?

Ich finde, das ist die falsche Frage.

Die Fragen, die du dir lieber stellen solltest, sind:

Warum will ich eigentlich promovieren?
Was ist meine persönliche Motivation für eine (externe) Promotion?
Was treibt mich an?

Deine Motivation ist mit Sicherheit eine wichtige (wenn nicht sogar die wichtigste) Voraussetzung für dein erfolgreiches Gelingen. Daher hinterfrage dich selbst gut, was dich zu und bei dieser umfangreichen Herausforderung antreibt, mit der du dich die nächsten Jahre (!) intensiv beschäftigen möchtest.

Du darfst – ich finde eher, du musst – da ganz ehrlich zu dir selbst sein.

Oft höre ich von Kunden, dass sie ein Thema beziehungsweise Themengebiet besonders spannend finden oder ihnen auf der Arbeit ein Problem begegnet ist, das sie näher betrachten wollen. Sie möchten sich persönlich weiterentwickeln und erhoffen sich mit Doktortitel einen Anschub für ihre berufliche Karriere. Häufig verbunden mit dem Wunsch, mehr Geld zu verdienen. In selteneren Fällen ist (wie bei mir) ein Betreuer auf sie zugekommen und hat ihnen ein konkretes Promotionsangebot gemacht. Oder sie haben jemanden getroffen, der ihnen zumindest die Promotionsidee à la Inception in ihren Kopf gepflanzt hat.

Stimmst du den genannten Gründen zu oder steckt für dich in Wahrheit noch etwas anderes dahinter?

Bitte nicht falsch verstehen. Die Gründe sind alle legitim und sehr subjektiv. Es gibt keinen besseren oder schlechteren Grund, nur deinen.

Denkst du nicht trotzdem eher:

Ich habe es mit meiner Ausbildung/mit meinem Studium und mit meiner Berufserfahrung so weit gebracht, weiter geht es kaum mehr. Jetzt will ich mir selbst noch beweisen, dass ich auch eine Promotion schaffen kann.

Findest du es insgeheim nicht doch cool, wenn da ein Dr. vor deinem Namen, auf deinem Klingelschild und deiner Visitenkarte steht? Wenn deine Geschäftspartner dich damit ansprechen?

Hhhmm?

Doktortitel auf Visitenkarte


Auch alles legitim.
Und machbar. Du musst es nur in Angriff nehmen.

Erzähl mir doch von deiner Motivation für eine externe Promotion und wir schauen gemeinsam, wie du sie startest!

Buche dir dazu ganz einfach ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir!

Herzliche Grüße
Sandra


© 2021 Dr. Sandra Laskowski