Du suchst Interviewpartner für deine Experteninterviews? So findest du sie

Du suchst Interviewpartner für deine Experteninterviews? So findest du sie

Du schreibst deine Abschlussarbeit, hast dir für deine methodische Durchführung Experteninterviews ausgesucht, bereitest deinen Leitfaden motiviert vor – aber weißt noch nicht so recht, wie und wo du Experten finden kannst.

Du fragst dich: Wer kommt als Experte überhaupt infrage und wo soll ich mit der Suche anfangen? Vielleicht hast du Angst, keine Experten zu finden?

Aber da kann ich dich beruhigen: Wenn du dich intensiv mit deinem Forschungsthema beschäftigst, wirst du über kurz oder lang auf Personen oder Anfragemöglichkeiten stoßen.

Gerade am Anfang fühlt sich die Suche oft wie ein riesiger Berg an. Viele Studierende sind sich nicht sicher, ob sie „die richtigen“ Personen ansprechen oder ob ihre Anfrage überhaupt ernst genommen wird. Wichtig finde ich, die Expertensuche nicht dem Zufall zu überlassen, sondern strukturiert und mit Planung an sie heranzugehen.

Hier 5 Anregungen, wie du ganz leicht Experten finden kannst

1. Definiere vorab klar, wer für dich (k)ein Experte ist

In der Literatur findet sich keine allgemeingültige Definition, wer als Experte gelten soll. Einigkeit besteht nur darin, dass die Definition jeweils von der Forschungsfrage und dem Handlungsfeld abhängt. Auch die Unterscheidung zwischen Experten und Laien ist umstritten und mitunter nicht immer eindeutig und einfach zu treffen.

Ich halte folgende Überlegungen zum Expertenstatus für einen guten Anhaltspunkt: Ein Experte verfügt über eine besondere Expertise und damit verbundenes Sonderwissen. Sein Wissen ist nicht alltäglich, also jedem auf der Straße bekannt und nicht einfach mal eben in der Literatur zu finden. Oft ist das Wissen an bestimmte sozial institutionalisierte Rollen wie den Beruf und damit eng an die Person gebunden, die über das spezielle Fach-, Praxis- und Handlungswissen verfügt.

Die Überlegungen zu möglichen Experten ergibt sich aus deinem Thema oder deiner Fragestellung. Deine Expertenauswahl richtet sich folglich nach deinem Forschungsinteresse. Die Experten sollten nach deiner Einschätzung über Informationen, Wissen oder Erfahrungen verfügen, für die dir das Literaturstudium keine Antworten liefern kann. Du befragst sie also aufgrund des speziellen Status und nicht als Privatpersonen.

Studierende, die die Methode zum ersten Mal anwenden sollen, sagen gerne Sätze wie „Dann interviewe ich mal eben meine Schwester“ oder „Ich interview meinen Freund. Der kennt sich damit aus“.

Bitte nicht.

  • Ein Experteninterview ist kein „lustiges Gespräch“ mit oder eine „lockere Befragung“ von einem Bekannten.
  • Als Forschungsmethode folgt es in der Vorbereitung, Durchführung und Analyse Regularien, die vorher festgelegt und begründet werden müssen. Daher ist auch die Wahl der Experten mit den Erwartungen an ihr Fachwissen in der Arbeit zu begründen.
  • Die Befragung von Freunden und Familienmitgliedern scheint aus bequemlichen Gründen einfach und naheliegend. Doch selbst wenn sie tatsächlich über Fachwissen verfügen, solltest du eine Befragung vermeiden. Die Gefahr ist groß, dass aufgrund des Beziehungsverhältnisses die nötige Objektivität nicht gegeben ist und sozial gewünschte Antworten gegeben werden (Stichwort Erwartungshaltung).

Der Expertenstatus ist zudem nicht zwingend an akademische Titel gebunden. Auch Praktikerinnen und Praktiker, die seit vielen Jahren in einem Themenfeld arbeiten, können wertvolle Experten sein. Ebenso können Personen aus Verbänden, Initiativen oder zivilgesellschaftlichen Organisationen wichtige Perspektiven einbringen, die in wissenschaftlichen Publikationen nicht oder kaum zu finden sind.

Gerade die Vielfalt an möglichen Experten macht die Methode wertvoll, denn du kannst Perspektiven einbeziehen, die in klassischen Forschungsdesigns oft unterrepräsentiert sind. Gleichzeitig solltest du dir bewusst machen, dass Expertise immer kontextabhängig ist. Eine Person kann in einem Themenfeld Experte sein, in einem anderen jedoch nicht. Diese Differenzierung hilft dir, deine Auswahl zu begründen.

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2. Mach ein Brainstorming

Ein Brainstorming eignet sich hervorragend, um deine Ideen und Einfälle zu der Expertensuche frei zu sammeln. Dabei kommt es nicht darauf an, wie perfekt und ausgereift deine Überlegungen zu den Experten sind, sondern dass du möglichst viele Ideen sammelst. Lass deinen Gedanken freien Lauf, ohne sie direkt zu beurteilen.

Oft entstehen beim Brainstorming erste Kategorien für die Expertensuche. Gleichzeitig hilft dir das Brainstorming, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie breit oder eng dein Expertenfeld tatsächlich ist. Wenn du merkst, dass dir kaum Personen einfallen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass deine Fragestellung zu speziell oder zu theoretisch formuliert ist. In diesem Fall halte Rücksprache mit deinem Betreuer, um die Forschungsfrage gegebenenfalls zu schärfen.

  1. Stell dir einen Timer auf 15 min.
  2. Nimm Stift und Papier und schreibe auf, welche Experten dir spontan einfallen.
  3. Versuche durchgehend und ohne Nachdenken zu schreiben, damit dein Schreib- und Gedankenfluss nicht abbricht.
  4. Lass deine Notizen ruhen.
  5. Cluster die Experten nach bestimmten Merkmalen oder Kriterien (zum Beispiel Beruf, berufliche Position/Tätigkeitsfeld, Mitgliedschaft in einer Organisation etc.).
  6. Ergänze gegebenenfalls weitere Einfälle.
  7. Lass deine Notizen noch mal ruhen.
  8. Recherchiere als Ergänzung, Überprüfung oder wenn dir gar keine Experten einfallen nach Anregung 3.
  9. Halte Rücksprache mit deinem Betreuer.
  10. Ergänze oder streiche potenzielle Experten.

Der Ablauf ist natürlich nur ein Beispiel. Wenn du am Tisch sitzend nicht kreativ bist, gehe raus in die Natur oder eine Runde joggen. Je nachdem, wo oder bei welcher Tätigkeit du die besten Einfälle bekommst. Wenn du deine Gedanken beim Sprechen besser sortieren kannst, dann nimm Sprachnachrichten auf und bringe sie später aufs Papier.

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3. Recherchiere im Internet nach möglichen Interviewpartnern

Beschäftigst du dich bereits länger mit deiner Forschungsfrage, dann hast du sicherlich schon den ein oder anderen Experten für ein Interview „im Auge“. Falls das nicht der Fall ist, dann nimm das Internet zur Hilfe.

  • Je nach Thema findest du auf den Webseiten von zum Beispiel Ministerien, Behörden, Stadtverwaltungen, sozialen Einrichtungen, Organisationen, Konzernen, Firmen, Universitäten, Hochschulen und so weiter mögliche Interviewpartner.
  • Suche nach einem Organigramm, das einen detaillierten Überblick über den Verwaltungs- oder Organisationsaufbau gibt.
  • Oder suche unter Über uns oder Team nach Mitarbeitern.
  • Sind keine Mitarbeiter aufgeführt, findet sich meist ein allgemeiner Ansprechpartner oder eine Kontaktadresse.
  • Für Interviewpartner aus dem Hochschulbereich kannst du zum Beispiel dein Thema mit dem Zusatz Professor googeln.

Darüber hinaus kannst du gezielt nach Pressemitteilungen, Projektseiten oder Forschungsverbünden zu suchen. Personen, die öffentlich zu deinem Thema Stellung nehmen oder an einschlägigen Projekten beteiligt sind, können dir sicherlich ebenfalls Auskunft geben. Auch berufliche Netzwerke wie LinkedIn können hilfreich sein, um Personen aus deinem Themenfeld zu identifizieren.

Zusätzlich lohnt sich ein Blick in themenspezifische Newsletter, Fachportale oder Branchenberichte. Viele Organisationen veröffentlichen regelmäßig Inhalte, in denen Expertinnen und Experten genannt oder zitiert werden. Auch Podcasts, Webinare oder Konferenzprogramme können Hinweise liefern. Wenn jemand regelmäßig öffentlich über dein Thema spricht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Person auch für ein Interview offen ist.

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4. Recherchiere in Büchern nach möglichen Interviewpartnern

Deine Literaturquellen bieten dir ebenfalls einen guten Anhaltspunkt bei der Suche nach Experten.

  • Je nach Thema kommen eventuell auch Autoren deiner Literatur- oder Internetquellen als Interviewpartner infrage.
  • In Sammelbänden gibt es oft eine Seite mit allen Autoren und deren Anschriften inklusive Telefonnummern oder E-Mail-Adressen (unbedingt gegenchecken).
  • Auch Behörden und Ministerien veröffentlichen Informationsmaterial und diverse Publikationen in gedruckter Form oder als runterladbare Datei auf ihren Webseiten. Vielleicht wirst du darin fündig.
  • Scheue dich nicht davor, auch international zu recherchieren und Interviews auf Englisch zu führen.
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5. Nutze deine privaten und beruflichen Kontakte

Oft kennt man mehr Leute, als man denkt. Beziehungsweise diese Leute kennen wiederum Leute, die einem weiterhelfen können. Wichtig ist, dass du Menschen in deiner privaten und beruflichen Umgebung von deiner Suche nach Experten erzählst.

  • Mit deinen Betreuer wirst du ohnehin dein methodisches Vorgehen besprechen. Falls nicht bereits geschehen, diskutiert zusammen Ideen für mögliche Interviewpartner.
  • Du kannst natürlich auch mit deinen Kommilitonen diskutieren und sie um Rat fragen.
  • Dein privates Umfeld wirst du wahrscheinlich über deine Arbeit und Forschungsaktivitäten informiert haben. Vielleicht haben Freunde, Bekannte und Verwandte potenzielle Kontakte.
  • Gleiches gilt natürlich für deine beruflichen Kontakte. Vor allem dann geeignet, wenn du über ein Thema aus deinem beruflichen Kontext schreibst.
  • Der sogenannte „Schneeballeffekt“ ist in der qualitativen Forschung ein wertvolles Instrument. Du kannst auch bereits befragte Experten nach weiteren Kontakten fragen.
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Fazit

Die Sorge, keine Interviewpartner für deine Experteninterviews zu finden, ist unbegründet. (Außer vielleicht, du schreibst über ein echt exotisches Thema.) Viel wahrscheinlicher ist, dass nicht jeder kontaktierte Experte einem Interview zustimmen wird.

Mit den 5 Anregungen sollte dir deine Expertensuche leicht fallen und einer Kontaktaufnahme nichts mehr im Wege stehen.

Betrachte die Suche nach Experten nicht nur als einen organisatorischen Schritt, sondern auch ein Lernprozess. Du wirst dabei nicht nur dein Thema besser verstehen, sondern auch deine wissenschaftlichen und kommunikativen Fähigkeiten weiterentwickeln.

Jede Anfrage, jede Rückmeldung und jedes Interview bringt dich ein Stück weiter. Und selbst Absagen können hilfreich sein, weil sie dir zeigen, wie du deine Anfrage noch klarer oder professioneller formulieren kannst.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Suche nach Interviewpartnern
Sandra




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So findest du Fragen für den Leitfaden

Im Mini-Videokurs lernst du

  • Den Unterschied zwischen guten und schlechten Fragen (6:40 min)
  • Eine einfache Methode, um Fragen zu sammeln (4:42 min)
  • An einem Praxis-Beispiel, wie man Fragen findet (8:17 min)


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