Sardinien oder mein drittes Co-Working und Co-Living

Sardinien oder mein drittes Co-Working und Co-Living

Die Entscheidung für ein drittes Mal Co-Working und Co-Living, von mir liebevoll Cowoli abgekürzt, fiel direkt nach meinem Aufenthalt auf Teneriffa im Januar.

Allerdings dauerte es noch eine Weile, bis ich mich für ein Cowoli entschied. Und da ich über die Sommermonate räumlich an verschiedene Arbeitsprojekte gebunden war, sollte es noch bis September dauern, bis ich endlich wieder aufbrach.

Meine Wahl fiel dieses Mal auf Sardinien.

Mein Fazit nehme ich bereits vorweg:
Es war eine sehr produktive Zeit, was die Umsetzung meiner Ideen und Abarbeitung von Aufgaben betraf.

Aber eine eher ernüchternde Zeit, was das Cowoli anbelangt. Denn es war in meinem Verständnis leider keins.

Lies hier über meine dritte Cowoli-Erfahrung auf Sardinien, meine Ausflüge sowie Empfehlungen.

Warum Sardinien?

Um ehrlich zu sein, war Sardinien eine zweite Wahl.

Eigentlich hatte ich ein Cowoli in Montenegro ins Auge gefasst, allerdings konnte man mir dort zu meiner Wunschzeit keine vier Wochen oder mehr am Stück anbieten.

Ich suchte weiter und besann mich wieder auf meine Reiseregeln für das Cowoli:

  1. Ich reise an einen Ort, an dem ich noch nie war
  2. Es sollte eine Insel sein

So entdeckte ich schließlich eine Möglichkeit auf Sardinien.

Einsam, zweisam, dreisam in Laconi

Meine Wahl fiel auf das Treballo Rural Coliving and Coworking in Laconi.
Dort verwirklicht der Besitzer Carlo mitten im Dorf seine Idee eines Cowoli.

Ich sage verwirklicht, weil es aktuell zwar Platz zum gemeinsamen Arbeiten, eine recht stabile Internetverbindung und eine schöne Terrasse gibt, aber keinen Platz zum gemeinsamen Wohnen. Carlo hat nur ein buchbares Zimmer, das einzeln oder mit mehreren Personen belegt werden kann. Da ich es jedoch zur alleinigen Nutzung gebucht hatte, war ich folglich auch der einzige Gast. Das war mir vorher nicht bewusst (und ich habe dummerweise auch nicht konkreter nachgefragt), denn die Website und die Kommunikation mit Carlo vermittelt(e) ein ganz anderes Bild.

Die Tatsache hat mich die ersten Tage gar nicht gestört, da ich mitten in einer Workshopvorbereitung steckte. Nach anderthalb Wochen hat es mich aber sehr frustriert. Denn auch Carlo war aufgrund von Verpflichtungen stundenlang außer Haus und ich allein. Das entsprach nicht meiner Vorstellung von einem Cowoli, ich würde das Angebot eher als WG beschreiben. Als Carlo dann schließlich privaten Besuch bekam, fühlte ich mich sehr deplatziert.

Für die Zukunft plant Carlo die Nutzung eines weiteren Haus als gemeinsame Schlafunterkunft.

Sardinien Parco Aymerich

Reisen?

Laconi und das Cowoli liegen im Inland von Sardinien, die Küsten erreicht man von dort in ungefähr ein bis zwei Stunden Autofahrt. Das Dorf selbst hat zwei Supermärkte, einige Bars und Restaurants sowie eine große Parkanlage in fußläufiger Nähe.

Da ich keinen Mietwagen hatte, war ich auf das öffentliche Bussystem angewiesen, was es auf dem Land praktisch kaum gibt. Die zwei Haltestellen im Dorf wurden circa vier Mal am Tag bedient, das hatte ich mühselig über das Internet herausgefunden. Allerdings lagen die Zeiten so schlecht, dass zum Beispiel eine Fahrt nach Cagliari möglich gewesen, ich aber dann nicht mehr am selben Tag zurückgekommen wäre.

So erkundete ich das Dorf im fußläufigen Radius. Oder war auf Carlo angewiesen, wenn er nicht gerade selbst mit dem Auto unterwegs war. Oftmals blieb es aber bei der Überlegung von Ausflügen, weil er keine Zeit hatte.

Meiner Arbeitsproduktivität tat das keinen Abbruch, aber die Abhängigkeit nervte mich. Nach knapp zweieinhalb Wochen dann alles so sehr, dass ich heimfliegen wollte.

Die vermeintliche Lösung, die mir schon vor meiner Ankunft angeboten wurde, kam mit der Einladung nach Badesi. Dort sollten wir mit anderen Teilnehmern für 10 Tage eine Unterkunft auf ihr Potenzial für ein Cowoli testen.

Sardinien Badesi2


Ich mache es kurz:
Die Unterkunft hat in meinen Augen aktuell leider auch kein Potential. Der Wille, ein paar Leute zu beherbergen, reicht nicht aus, wenn gemeinsame Arbeitsbereiche, technisches Equipment oder eine stabile Internetverbindung fehlen. Immerhin war ich jetzt unter Leuten, mit denen ich jedoch nicht warm wurde. Ich hatte auch keine Lust (und Zeit), jeden Tag gemeinsam zu kochen und überhaupt alles gemeinsam zu machen, was die Teilnehmer für sich als Co-Living definierten.

Zurück in Laconi hatte ich noch eine weitere Woche Zeit auf Sardinien. Da ich im Oktober von dem Pilotenstreik einer Fluggesellschaft betroffen war, verzögerte sich mein Heimflug. Da ich nicht länger im Cowoli bleiben konnte, suchte ich mir bis zum Heimflug eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens in Cagliari. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Learnings:
Noch mehr über das öffentliche Verkehrssystem recherchieren, ein Auto mieten oder mit dem eigenen fahren. Und vorab definitiv dem Cowoli wieder Löcher in den Bauch fragen.

Sardinien Badesi

Sehenswertes

Trotz der wenigen Ausflüge habe ich einiges Sehenswertes auf Sardinien besucht:

Parco Aymerich
Große Parkanlage in Laconi mit vielen Wanderwegen, einer Schlossruine und einem Wasserfall. Dort bin ich öfter mal spazieren gegangen oder habe auf einer Bank gelesen. Man kann Führungen durch den Park und die anliegenden kleineren Museen buchen.

Monkey Kiosk
Kleine Bar auf der Piazza XXV Aprile in Laconi. Schön, um den Tag bei einem Bier oder Cocktail ausklingen zu lassen.

Pizzeria Su Stunnu
Italienische Pizza. Punkt.

Su Nuraxi de Barumini
Auf Sardinien gibt es zahlreiche archäologische Nuraghen-Stätten. Wir haben die am besten erhaltene in der Nähe von Laconi besucht. Nuraghen sind frühgeschichtliche Turmbauten und mit der Nuraghen-Kultur auf Sardinien verbunden, wobei ihr Zweck umstritten ist. Su Nuraxi wurde erst in den 1950er-Jahren ausgegraben, nachdem der in Barumini geborene Archäologe Giovanni Lilliu dort aufgrund von Gesteins- und Keramikfunden eine Fundstätte vermutete. Seit 1997 ist Su Nuraxi UNESCO Weltkulturerbe.

Im Eintritt sind auch das Centro Giovanni Lilliu und das Museum „Casa Zapata“ enthalten, beides haben wir anschließend besucht.

Sardinien Su Nuraxi

Centro Giovanni Lilliu
Das Zentrum ist dem Nuraghen-Forscher und späteren Universitätsprofessor für sardische Antike gewidmet. Neben Informationen und Ausstellungsstücken zu seinen Forschungen und seinem Leben gibt es zahlreiche weitere Funde und Leihgaben zu besichtigen. Etwas seltsam: Man darf die Ausstellung nicht allein besichtigen, sondern wird von einem Guide geleitet. Unsere Dame schien es eilig zu haben, denn sie raste mit ihren Erklärungen durch die Räume.

Polo Museale „Casa Zapata“
Der Residenzkomplex wurde Ende des 16. Jahrhunderts von der Adelsfamilie Zapata in Auftrag gegeben. Es gibt mehrerer Gebäude, unter anderem ein Herrenhaus, zwei landwirtschaftliche Gebäude und einen Garten. Nach dem Tod der letzten Baronin kaufte die Gemeinde Barumini 1987 das inzwischen vernachlässigte Gebäude, um es als Museum für Fundstücke der Su Nuraxi zu nutzen. Bei den Restaurierungsarbeiten stieß man dann überraschend auf einen weiteren Nuraghen-Komplex unter dem Hauptgebäude, der daraufhin in die Renovierungspläne eingeschlossen wurde. So ermöglichen heute Stege und Glasböden die Sicht von oben auf die Nuraghe.

Meana Sardo
Im Herbst gibt es in den Dörfern kleinere und größere Herbstfeste. Verschiedene Händler, Restaurants und Geschäfte bieten ihre Produkte zum Probieren und Kauf an. Man schlendert durch den Ort, schaut sich von Strickwaren über Kosmetikprodukte bis hin zu Schmuck alles an, probiert Wein, Käse und andere Leckereien und unterhält sich mit Bekannten.

Sardinien Meana Sardo


Badesi Strände

Die diversen Strände rund um Badesi laden zum Sonnen und zu Wassersportaktivitäten ein. Wir haben zwei Mal den Sonnenuntergang sowie ein Sonnenbad genossen.

Sardinien Badesi Strand


Terme di Casteldoria

Die nördlichen Provinzen sind reich an Thermal- und Mineralquellen. Eine davon ist die Terme di Casteldoria am Fluss Coghinas, die frei zugänglich ist. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Einheimischen und Touristen, die an einem Strandabschnitt ins Wasser gehen können. Auch wir haben während unserer Zeit in Badesi einen abendlichen Badeausflug dorthin unternommen.

IceMu Gelateria
Mein ungeplanter Aufenthalt in Cagliari bescherte mir phantastisches Eis. Bei IceMu gibt es eine tolle Auswahl an klassischen, experimentellen und veganen Sorten.

Sardinien Cagliari IceMu

Fazit

Mein drittes Cowoli war für mich keins.

Dafür habe ich sehr viel sardisches Privatleben mitbekommen, was bei meinen vorherigen Aufenthalten auf Malta und Teneriffa nicht der Fall war. Und war bei diesen ein Monat viel zu kurz, um richtig im Cowoli und dem Ort anzukommen, war mir die Zeit auf Sardinien zu lang.

Als Notiz an mich selbst erwähne ich es noch mal:
ÖPNV besser checken und vorab mehr Fragen bezüglich der eigenen Erwartungen klären.

Ich weiß noch nicht zu 100 %, wann und wohin es das nächste Mal geht, habe allerdings ein Angebot aus Wien bekommen. Die nächste Insel wird wohl warten müssen.

Kribbelt es dir bei dem Gedanken ans Co-Working/Co-Living?
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